Bevor ich 1982 zu WOM kam, arbeitete ich seit 1977 bei Montanus Aktuell, einem der angesagtesten Zeitschriftenhändler für linke und internationale Presse in Deutschland. Ich leitete die Kieler Filiale.

Meine besondere Leidenschaft war allerdings eine kaum drei Quadratmeter große, aber hervorragend sortierte Schallplattenabteilung. Diese kleine Ecke war unter Kieler Musikliebhabern längst kein Geheimtipp mehr. Wer wirklich hören wollte, was neu und besonders war, kam zu uns.

Jeden Montag und Dienstag erschienen die Vertreter der Plattenfirmen mit ihren Mustern – Weißpressungen, Vorabexemplare, manchmal einfache Kassetten.

An einem Montag brachte mir der Phonogramm-Vertreter Herr Akuszefski ein unscheinbares Kassetten-Tape mit. Er arbeitete für Phonogram. Es sei eine neue Band aus England, sagte er. Name: Dire Straits.

Die Kassette war von einem DJ der BBC als Vorabmuster zusammengestellt worden. Darauf befand sich ein Titel von Mark Knopfler:
„Sultans of Swing“.

Ich legte das Band ein.

Schon nach wenigen Takten wusste ich: Das ist kein gewöhnlicher Titel.
Diese Gitarre. Dieser trockene, präzise Groove. Diese unaufgeregte Souveränität.

Ich spielte das Stück immer wieder in meiner kleinen Abteilung an. Und ich begann etwas zu beobachten: Kunden blieben stehen. Füße wippten im Takt. Manche lächelten. Einige begannen sogar, sich leicht zu bewegen.

Niemand machte großes Aufheben darum.
Aber man spürte: Hier passiert gerade etwas.

Am nächsten Tag sprach ich mit unserem Zentraleinkäufer für die deutschen Montanus-Filialen. Wir beschlossen, einen größeren Bestand der Platte bei Phonogramm zu bestellen und sie bundesweit gezielt zu promoten.

Der Verkauf zog an – erst langsam, dann deutlich spürbar. Schließlich explodierte er.
Was in einer drei Quadratmeter großen Abteilung in Kiel begann, zog Wellen, die einmal um den Erdball liefen.

Der Rest ist Musikgeschichte.

Manchmal denke ich an diesen Moment zurück: an das leise Wippen der Füße zwischen Zeitungsständern und internationalen Magazinen.

Und ich bin ziemlich sicher, dass die ursprüngliche Promokassette von Herrn Akuschefski noch irgendwo in meinem Keller liegt.

Ich sollte wirklich einmal nachsehen.




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