Vinyl, CDs, Menschen.
Erinnerungen an eine Zeit, in der Musik einen Ort hatte. Eine persönliche Reise durch die große Zeit der Plattenläden und warum diese wieder verschwanden.

Was Anfang der 1980er Jahre in Kiel begann, wurde zu einer der erfolgreichsten Plattenladenketten Deutschlands: WOM – World of Music. Dahinter stand eine einfache Überzeugung: Musik ist mehr als Ware. Sie braucht einen Raum. Eine Bühne. Ein Zuhause.

In einer Zeit, in der Schallplatten oft nur eine Randerscheinung in kleinen Shops und Kaufhäusern waren, entstand ein Konzept, das Musik in den Mittelpunkt stellte. Große Läden, internationale Sortimente, Hörstationen, Begegnungen, Gespräche, Orte, an denen man nicht nur kaufte, sondern blieb. Orte, an denen Musik gelebt wurde.

Ich war von Anfang an dabei. Nicht als Beobachter, sondern mittendrin. Als Mitgründer von WOM habe ich diese Entwicklung nicht nur miterlebt, sondern mitgestaltet. Die Idee, die ersten Schritte, die Expansion, die Erfolge und später auch die Veränderungen, die schließlich das Ende dieser Welt einleiteten.

Dieses Buch erzählt diese Geschichte. Nicht aus der Distanz, sondern aus der Perspektive eines Beteiligten. Persönlich, nah und ohne nachträgliche Verklärung. Es ist die Geschichte eines Unternehmens, aber auch die Geschichte einer Zeit, in der Musik ein fester Bestandteil des Alltags war, greifbar, sichtbar, gemeinsam erlebt.

Mehr als 3.000 Mitarbeiter haben WOM geprägt. Menschen mit Leidenschaft für Musik, mit eigenen Geschichten und eigenen Wegen. Viele dieser Verbindungen bestehen bis heute. WOM war nie nur ein Unternehmen. Für viele war es ein Stück Leben.

Diese Seite ist eine Einladung zur Erinnerung. An Läden, an Begegnungen, an Momente zwischen Regalen und Plattenspielern. Vielleicht waren Sie selbst Teil davon, als Kunde, als Mitarbeiter oder einfach als jemand, der diese Zeit erlebt hat.

Wenn Sie Erinnerungen, Fotos oder eigene Geschichten aus dieser Zeit haben, freue ich mich über Ihre Nachricht an mitmachen@vinyl-story.com.

Jörg Burckhardt
Mitgründer WOM – World of Music

Aus all meinen Erinnerungen entstand das Buch „WOM World of Music – Als Musik noch ein Ort war“

Meine persönliche Erzählung über eine Zeit, die mein Leben und das unzähliger WOM Mitarbeiter geprägt hat. Es ist eine Geschichte über Menschen, denen ich begegnet bin, über Chancen, Irrtümer und über einen Traum, der größer wurde, als ich es mir je vorgestellt hatte.

Gleichzeitig erzählt dieses Buch auch meinen eigenen Weg im Musikgeschäft. Von den frühen Jahren im Plattenhandel über die Gründung von WOM bis hin zum Aufbau der großen WOM Mega-Stores, die später zu den bekanntesten Musikläden Europas gehörten. Es ist die Geschichte einer Branche im Wandel, einer Zeit, in der Musik noch auf Vinyl und später auf CD entdeckt wurde, lange bevor Streaming die Welt veränderte.

Als wir Anfang der achtziger Jahre mit WOM begannen, hatten wir keine Ahnung, wohin die Reise führen würde. Wir wollten nur einen Ort schaffen, an dem Musik mehr war als Ware, einen Raum, in dem Neugier, Leidenschaft und Entdeckung zusammenkamen.

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WOM Fotos

Bilder aus den WOM-Jahren. Läden, Menschen und Momente einer verschwundenen Musikära.

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Manche Erinnerungen lassen sich nicht in Worte fassen. Sie liegen in kleinen Dingen verborgen,  in einem Kugelschreiber, der jahrelang auf einem Verkaufstresen lag, in einem Team-Shirt, das hinter der Kasse getragen wurde, in einem Aufkleber auf einem Plattenkoffer oder in einem alten Backstage-Pass.

Diese Gegenstände waren nie als Sammlerstücke gedacht. Sie gehörten einfach zum Alltag der WOM Stores. Und doch sind sie heute stille Zeugen einer Zeit, in der Musikläden noch Orte der Begegnung waren und WOM für viele Menschen mehr bedeutete als nur ein Geschäft.

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Crew Stories

Geschichten ehemaliger Mitarbeiter und Wegbegleiter, erzählt aus dem Inneren der WOM-Welt.

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Deine Erinnerung zählt

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Diese Seite wächst durch gemeinsame Erinnerungen. Wenn du Teil der WOM-Geschichte warst, freuen wir uns über Fotos, Geschichten oder Hinweise.

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Vinyl, CDs, Menschen.
Erinnerungen an eine Zeit, in der Musik einen Ort hatte. Eine persönliche Reise durch die große Zeit der Plattenläden und warum diese wieder verschwanden.

Was Anfang der 1980er Jahre in Kiel begann, wurde zu einer der erfolgreichsten Plattenladenketten Deutschlands: WOM – World of Music. Dahinter stand eine einfache Überzeugung: Musik ist mehr als Ware. Sie braucht einen Raum. Eine Bühne. Ein Zuhause.

In einer Zeit, in der Schallplatten oft nur eine Randerscheinung in kleinen Shops und Kaufhäusern waren, entstand ein Konzept, das Musik in den Mittelpunkt stellte. Große Läden, internationale Sortimente, Hörstationen, Begegnungen, Gespräche, Orte, an denen man nicht nur kaufte, sondern blieb. Orte, an denen Musik gelebt wurde.

Ich war von Anfang an dabei. Nicht als Beobachter, sondern mittendrin. Als Mitgründer von WOM habe ich diese Entwicklung nicht nur miterlebt, sondern mitgestaltet. Die Idee, die ersten Schritte, die Expansion, die Erfolge und später auch die Veränderungen, die schließlich das Ende dieser Welt einleiteten.

Dieses Buch erzählt diese Geschichte. Nicht aus der Distanz, sondern aus der Perspektive eines Beteiligten. Persönlich, nah und ohne nachträgliche Verklärung. Es ist die Geschichte eines Unternehmens, aber auch die Geschichte einer Zeit, in der Musik ein fester Bestandteil des Alltags war, greifbar, sichtbar, gemeinsam erlebt.

Mehr als 3.000 Mitarbeiter haben WOM geprägt. Menschen mit Leidenschaft für Musik, mit eigenen Geschichten und eigenen Wegen. Viele dieser Verbindungen bestehen bis heute. WOM war nie nur ein Unternehmen. Für viele war es ein Stück Leben.

Diese Seite ist eine Einladung zur Erinnerung. An Läden, an Begegnungen, an Momente zwischen Regalen und Plattenspielern. Vielleicht waren Sie selbst Teil davon, als Kunde, als Mitarbeiter oder einfach als jemand, der diese Zeit erlebt hat.

Wenn Sie Erinnerungen, Fotos oder eigene Geschichten aus dieser Zeit haben, freue ich mich über Ihre Nachricht an mitmachen@vinyl-story.com.

Jörg Burckhardt
Mitgründer WOM – World of Music

FAQ – WOM | World of Music

Häufige Fragen zum Buchprojekt und zur Geschichte von WOM
Was war WOM – World of Music eigentlich genau?

 WOM – World of Music war weit mehr als ein gewöhnlicher Plattenladen. Es war ein neues Konzept für den Umgang mit Musik: große, offene Mega-Stores, in denen Schallplatten, später auch CDs, Videos, Bücher und Tickets in einer bis dahin unbekannten Vielfalt präsentiert wurden. WOM verstand sich als Treffpunkt für Musikliebhaber, als Ort zum Entdecken, Hören und Verweilen.

Die Idee war, Musik nicht wie ein Massenprodukt zu behandeln, sondern wie eine Kulturwelt. Kunden konnten stundenlang stöbern, Importplatten finden, in Kopfhörerstationen Neuheiten probehören und sich von Mitarbeitern beraten lassen, die selbst für Musik brannten. In den achtziger und neunziger Jahren prägte WOM damit eine ganze Generation von Musikfans und wurde zum Synonym für ein Lebensgefühl, in dem Klang, Cover und Atmosphäre untrennbar zusammengehörten.

Die Idee und der Name WOM World of Music entstand aus der Erfahrung des leidenschaftlichen Musikmenschen Jörg Burckhardt, der den klassischen Einzelhandel als zu eng und uninspiriert empfand sowie einem Investor, Klaus Scepanik, der verantwortlich für die Entwicklung und Expansion des Unternehmens war.

Nachdem ein dritter, sehr erfahrener Tonträger-Experte, Sven Witt -der ein entscheidender Ideengeber für WOM war- ins Boot geholt wurde, wollte man  einen Ort schaffen, der sich an internationalen Vorbildern orientierte und trotzdem einen eigenen, europäischen Charakter hatte. Aus vielen Gesprächen, Skizzen und nächtlichen Diskussionen wuchs schließlich das Konzept WOM.

Hinter WOM standen drei Menschen, die aus Leidenschaft handelten und nicht aus Marketinghandbüchern. Unternehmer, Idealisten und Musikverrückte, die an eine große Idee glaubten:

– Klaus Scepanik
– Jörg Burckhardt
– Sven Witt

Der Name sollte ausdrücken, dass hier nicht nur verkauft, sondern eine ganze Welt eröffnet wird. Musik aus allen Ländern, für alle Generationen, ohne stilistische Grenzen. WOM klang international, modern und größer als jeder klassische Plattenladen -Name in diesen Zeiten..

Das Logo kreierte der Mitbegründer von WOM, Jörg Burckhardt 1982.
Das Logo sollte einfach, komplett symmetrisch, und wiedererkennbar sein sowie Internationalität ausstrahlen.

Die drei Buchstaben wurden zum Markenzeichen, das bald auf Tüten, Anzeigen und Schaufenstern überall auftauchte.

Während normale Läden eher wie Verkaufsstellen wirkten, war WOM wie ein Marktplatz der Klänge. Breite Gänge, Hörstationen, thematische Abteilungen, engagierte Mitarbeiter und ein Sortiment, das weit über das Übliche hinausging – das machte den Unterschied

Die ersten Filialen entstanden 1882 in Kiel und München. Beide Standorte wurden bewusst gewählt: Kiel als norddeutsche Hafenstadt, wo die drei Gründer zuhause waren, München als pulsierende Metropole mit internationalem Publikum.

In den besten Jahren wuchs WOM zu einer deutschlandweiten Kette mit ca. 20 Mega-Stores in den großen Städten Deutschlands. Jeder davon hatte seinen eigenen Charakter, folgte aber derselben Idee von Größe, Vielfalt und Atmosphäre. Später nach der kompletten Übernahme durch die Karstadt AG wurden deren Plattenabteilungen zu WOM Abteilungen umgerüstet. So gab es am Ende mehr als 50 „Filialen“ in ganz Deutschland. Bald darauf rutschte Karstadt in die Insolvenz und WOM verschwand komplett von der Einzelhandelsbildfläche.

1981,Dez.. Idee, einen Plattenladen in Kiel zu eröffnen1
1982, Feb. Gründung einer WOM GmbH


1982, Aug. Eröffnung Filiale München, Sonnenstrasse
1982, Sep. Eröffnung Filiale Kiel
1984 Eröffnung Filiale Kaufingestraße
1984 Eröffnung Filiale Nürnberg
1986 Eröffnung Filiale Berlin, Kurfürstendamm
1987 Eröffnung Franchise-Filiale Mannheim
1987 Eröffnung Filiale Köln
1987 Eröffnung Filiale Frankfurt
1987 Eröffnung Filiale Berlin, Wilmersdorf
1988 Eröffnung Filiale Hamburg
1988 Eröffnung Filiale Karlsruhe
1989 Eröffnung Filiale Hannover
1989 Eröffnung Filiale Freiburg
1990 Eröffnung Filiale Düsseldorf
1990 Eröffnung Filiale Berlin, Koppenstraße
1990 Eröffnung Filiale Magdeburg
1991 Eröffnung Filiale Freiburg
1991 Eröffnung Filiale Berlin, Forum Steglitz
1991 Eröffnung Filiale Hannover
1992 Eröffnung Filiale Bremen
1992 Eröffnung Filiale Essen
1993 Eröffnung Filiale Leipzig
1994 Eröffnung Filiale Dresden
1996 Eröffnung Filiale Stuttgart
1999 Eröffnung Filiale Wiesbaden

2000 – Zu Beginnn der 2000er Jahre eröffnete KARSTADT noch viele weitere WOM Filialen in den verschiedensten Standorten als Tonträgerabteilungen in den Warenhäusern. WOM hatte damals mehr als 50 Betriebsstätten in ganz Deutschland.

2009 JPC kauft die Marke WOM, betreibt wom.de

2010 Die letzten WOM Filialen schließen

Das WOM Journal war ab 1985 ein kostenloses, monatlich erscheinendes Magazin, das in den WOM-Filialen auslag und sich schnell zu „Deutschlands meistgelesener Musikzeitschrift“ entwickelte.

Es war kein normales Werbeblättchen, sondern ein echtes redaktionelles Heft: mit Rezensionen, Empfehlungen, Interviews und Hintergrundtexten zu neuen Platten, Konzerten und Trends. Viele Leser sammelten es wie ein Musikalmanach, suchten darin Orientierung und Entdeckungen jenseits der reinen Verkaufsangebote.

Mit einer geschätzten Auflage von rund 250 000 Exemplaren pro Ausgabe (hervorgehoben als eine der reichweitenstärksten Musik-Publikationen Deutschlands) wurde es zum kulturellen Herzstück der WOM-Community und prägte das Musikverständnis vieler Fans in den 1980er und 1990er Jahren.

WOM hatte in der Spitze ca. 600 Mitarbeiter. Wenn man über den gesamten Zeitraum die durchschnittliche Mitarbeiter-Fluktuation beachtet, kann man davon ausgehen, das insgesamt mehr als 3.000 junge Menschen bei WOM gearbeitet haben.

In der Spitze hatte WOM einen jährlichen Umsatz in Höhe von ca. 200 Millionen DM

Heute entspräche das einer Kaufkraft von ca. ca. 300 Millionen Euro

 

WOM starb nicht an mangelnder Qualität, sondern an einem Markt, der sich von physischen Tonträgern und Innenstadt-Frequenz zu digitalem Zugriff und Preis-Transparenz verschob – und damit die ökonomische Grundlage eines großen Musik-Mega-Stores zerstörte.

1) Das Geschäftsmodell lebte von einem „goldenen Dreieck“, das zerbrach

WOM war über Jahrzehnte erfolgreich, weil drei Dinge zusammenpassten:
  • ein Produkt mit hoher emotionaler Bindung (Platten, CDs, später DVDs),
  • ein Ort als Erlebnis (Stöbern, Probehören, Beratung, Atmosphäre),
  • eine hohe Frequenz in Top-Lagen (Innenstadt, Kaufhäuser, Fußgängerzonen).
Dieses Dreieck funktionierte nur, solange Musik ein physisches Gut blieb, das man regelmäßig kaufte und sammeln wollte. Sobald Musik zunehmend immateriell wurde und der „Besitz“ an Bedeutung verlor, wurde aus dem Erlebnis ein „Nice-to-have“, aber nicht mehr die Notwendigkeit.
 
2) Digitalisierung: Der tödliche Mix aus MP3, Streaming und Bequemlichkeit
Die Digitalisierung war nicht nur ein neuer Vertriebskanal, sie hat den Kernwert von WOM angegriffen:
  • MP3/Downloads senkten die Hürde auf „ein Klick“, ohne Fahrt, ohne Laden, ohne Öffnungszeiten.
  • Streaming machte den Kauf teilweise überflüssig: Viele hörten, ohne zu besitzen.
  • Algorithmen ersetzten für viele die klassische Empfehlung im Laden.
WOM war stark in der Welt, in der das Produkt im Regal liegt. In der neuen Welt lag das Produkt im Netz. Damit verlor der Laden als „Gatekeeper“ seine frühere Bedeutung.
 
3) Preis- und Margendruck: Große Fläche, aber schrumpfender Ertrag pro Verkauf
Mega-Stores sind teuer. Nicht „ein bisschen“, sondern strukturell:
  • Miete in A-Lagen
  • Personal
  • Warenfinanzierung und Lagerhaltung
  • Schwund, Retouren, Abschriften
  • Technik, Kassensysteme, Sicherheit, Logistik
Gleichzeitig wurden die Margen im Handel enger. Bei CDs und später DVDs wurde der Wettbewerb härter, Rabattaktionen nahmen zu, und Kunden gewöhnten sich an Preisvergleiche. Online-Anbieter konnten oft günstiger sein, weil sie weniger Fläche und weniger Personal pro verkauftem Artikel brauchten.
Ein Mega-Store ist wie ein Theater: großartig, wenn der Saal voll ist. Wenn die Auslastung sinkt, kippt die Rechnung sehr schnell.
 
4) Die Innenstadt veränderte sich: Frequenz ja, Kaufabsicht nein
WOM profitierte von Laufkundschaft. Doch über die Jahre änderte sich die Funktion der Innenstadt:
  • mehr Bummeln und Schauen,
  • mehr Gastronomie, weniger Fachhandel,
  • mehr Ketten, weniger Sortimentstiefe,
  • steigende Mieten, obwohl die Kaufkraft im Fachhandel nicht im selben Maß stieg.
Das Ergebnis: Die Kosten stiegen weiter, aber die Konversion (Besucher → Käufer) sank. Wer noch kaufen wollte, hatte Alternativen.
 
5) Sortimentsproblem: „Alles unter einem Dach“ wurde schwerer zu rechtfertigen
Ein Mega-Store lebt davon, dass man viele Wünsche in einem Besuch erfüllt. Doch genau das wurde schwieriger:
  • Musik wurde digital, also schrumpfte der Kern.
  • Video wurde erst groß, dann ebenfalls digital.
  • Zubehör, Merch, Bücher und „Mitnahmeartikel“ konnten die Lücke selten füllen, weil sie entweder niedrige Margen hatten oder im Wettbewerb standen (Elektronikmärkte, Online, Modeketten).
Damit entstand ein Loch: Zu wenig tragfähiges Kernsortiment für zu viel Fläche.
 
6) Logistik und Kapitalbindung: Der Fluch der Vielfalt
WOM war stark, weil das Sortiment breit und tief war. Doch Vielfalt hat einen Preis:
  • riesige Artikelzahlen,
  • langsamdrehende Titel,
  • Abschriften, wenn Trends vorbei sind,
  • gebundenes Kapital im Regal.
Online kann „Long Tail“ leichter abbilden: Ein Zentrallager, Versand, oder sogar nur digitale Verfügbarkeit. Der Mega-Store dagegen muss die Ware sichtbar im Raum halten. Wenn die Nachfrage sinkt, bleibt die Fläche – und das gebundene Kapital – trotzdem.
 
7) Struktur in Konzernen: Wenn Renditezyklen wichtiger werden als Kulturzyklen
Viele große Fachhandelsmarken litten, sobald sie stärker in Konzernlogiken eingebunden waren:
  • Entscheidungen werden stärker zahlengetrieben (Quartal, Budget, Rendite),
  • die Toleranz für „kulturelle“ Investitionen sinkt,
  • Zentralisierung nimmt zu (Einkauf, Marketing, Prozesse),
  • lokale Handschrift wird schwächer.
Das ist nicht automatisch schlecht, aber bei einem Konzept wie WOM war die Seele ein Wettbewerbsvorteil: Atmosphäre, Leidenschaft, kuratierte Auswahl, Nähe zur Szene. Wenn das durch Standardisierung verwässert wird, bleibt „nur“ der Laden übrig – und der war als Kostenblock groß.
 
8) Der Kulturwandel beim Musikkonsum: Von Sammlung zu Zugriff
Früher war Musik für viele eine Sammlung, ein Teil der Identität im Regal. Später wurde Musik mehr:
  • Playlist statt Album,
  • Zugriff statt Besitz,
  • Single-Track statt künstlerischer „Bogen“.
WOM war ein Tempel für Alben, Cover, Liner Notes, Stöbern und Entdecken. Das funktionierte wunderbar, solange viele Menschen genau so lebten. Als sich die Hörgewohnheiten veränderten, hatte WOM zwar weiterhin Fans, aber nicht mehr genug Masse, um die große Maschine dauerhaft zu tragen.
 
9) Zu spät oder zu schwer: Der Online- und Omnichannel-Nachteil
Selbst wenn WOM online stärker geworden wäre, hätte es eine schwierige Gleichung gegeben:
  • Online braucht andere Kompetenzen (IT, Performance-Marketing, Fulfillment).
  • Online hat andere Kostenstrukturen und brutal transparente Preise.
  • Ein bestehendes Filialnetz ist keine Hilfe, wenn es die Profitabilität drückt.
Viele Händler scheiterten nicht daran, dass sie „keine Website“ hatten, sondern daran, dass sie zwei Welten gleichzeitig finanzieren mussten: das alte Flächenmodell und den neuen digitalen Vertrieb.
10) Warum gerade WOM es besonders schwer hatte
WOM war eine Marke, die groß wurde, weil sie Musik als Ort erfahrbar machte. Genau das war ihr Genie – und später ihre Verletzbarkeit.
  • Wenn Musik ein Ort ist, brauchst du Räume.
  • Wenn Musik ein Klick ist, sind Räume Luxus.
Und Luxus funktioniert nur, wenn er als Erlebnis bezahlt wird. Die meisten Kunden wollten aber irgendwann nicht „Erlebnis kaufen“, sondern einfach Musik hören.

 

2010 wurden die letzten Filialen geschlossen

Book Language Edition Price Status
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Großer Dank geht  an die ehemaligen WOM Kollegen für deren Unterstützung bei diesem Projekt:

Addy Grothkopf
Claudia Flaschmann
Clemens Pohl
Christoph Bühring-Uhle
Nathalie Poch
Tom Dreyer




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