Es war im Jahr 2000. Über VIRGIN UK flatterte mir damals eine Digi-Pack-Promo-CD von Placebo mit dem Titel Black Market Music ins Haus. Also war reinhören angesagt. Doch noch bevor überhaupt ein Ton lief, war ich bereits völlig geflasht. In dem Moment, in dem ich rechts zog, fuhr das Tray nach links heraus. Allein diese ungewöhnliche Verpackung hatte mich sofort gepackt, noch ohne ein Stück gehört zu haben. Nach einem schnellen Soundcheck war mir klar, dass hier etwas Besonderes vorlag.
Ich griff sofort zum Telefon und rief Jörg Peter vom VIRGIN-Vertrieb Deutschland an. Meine erste Frage war, wie man uns stückzahlmäßig eingeplant hatte. Seine Antwort lautete: 960 Units über alle Häuser hinweg. Für mich war sofort klar, dass das viel zu vorsichtig gedacht war. Ich sagte ihm, dass ich 10.000 Units nehmen würde, vorausgesetzt, wir bekämen dieses Digi-Pack exklusiv, bereinigt um den Aufdruck „For Promotional Use Only“ und inklusive eines Booklets. Dass ein Booklet hineinpassen würde, hatte ich natürlich vorher überprüft.
Er musste zunächst mit London telefonieren, meldete sich aber relativ schnell zurück. Das grundsätzliche Go hatte er bekommen, allerdings sollten wir den PPD plus fünf D-Mark zahlen. Daraufhin sagte ich ihm, dass er den Deal dann vergessen könne. Stattdessen solle man lieber darüber nachdenken, fünfzigtausend Mark weniger an Werbekostenzuschüssen bei Media-Saturn und Karstadt zu investieren. Ich prognostizierte ihm eine Top-10-Platzierung, allein aufgrund unserer Abverkäufe, die damals schließlich nicht gewichtet wurden.
Er musste noch einmal nachhaken, doch kurz darauf waren wir im Geschäft.
10.000 Units waren im Jahr 2000, bei den bereits dramatisch schlechter werdenden Abverkäufen, ein echter Schluck aus der Pulle. Aber ich war mir sicher. Und tatsächlich: In der ersten Woche nach Veröffentlichung waren alle Exemplare verkauft.
Der eigentliche Hammer kam danach. Das Album stieg in Großbritannien auf Platz fünf der Charts ein und erreichte bei uns in Deutschland sogar Platz zwei. In solchen Momenten wusste ich immer wieder, warum Bauchgefühl, Erfahrung und Leidenschaft im Musikgeschäft manchmal mehr wert waren als jede noch so sorgfältige Planung.