Der physische Druck von Shout at the Devil

Als Mötley Crüe als Support-Act loslegen, wird uns sofort klar: Das hier ist kein gewöhnliches Konzert. Von unserem Platz aus ist der Druck der Bassdrum von Tommy Lee kein Sound, sondern ein physischer Einschlag. Die Band spult ihr Set mit einer rohen Energie ab, die den Geist von Shout at the Devil perfekt einfängt. Norddeutschland hat selten so viel exzessive Optik und puren Metal-Wahnsinn auf einmal erlebt.

Slapstick bei Iron Maiden: Wenn Eddie den Takt stört

Dann der Hauptact: Iron Maiden. Das ägyptische Bühnenbild der Powerslave-Ära ist gigantisch, doch wir werden Zeuge eines Moments, den kaum ein Zuschauer im Saal so detailgetreu mitbekommt. Mitten in der Show stolpert das Maskottchen Eddie – in seiner massiven Mumien-Montur plötzlich völlig unbeholfen – und kracht direkt auf das Schlagzeug von Nicko McBrain. Ein Raunen geht durch die Crew, doch Nicko beweist, warum er zur Weltspitze gehört: Ein böser Blick Richtung Eddie, der Takt bleibt eisern, die Show geht weiter. Profi durch und durch.

In der Umkleide: Unterwäsche, Whiskey und rote Spitzen

Nach der Show führen uns die Wege durch die verwinkelten Katakomben der Stadthalle, vorbei an den kreischenden Groupies, direkt in das Allerheiligste: die Umkleide von Mötley Crüe.

Dort herrscht eine Atmosphäre, die man heute kaum noch beschreiben kann. Die Band empfängt uns völlig entspannt – in Unterwäsche. Tommy Lee, die personifizierte Rock-Energie, erweist sich als exzellenter Gastgeber. Er greift zur Flasche Jack Daniels, mixt uns einen Drink und begrüßt mich mit einem lässigen: „Nice to meet you, Addy!“

Bevor wir uns verabschieden, drückt mir Tommy sein persönliches Handwerkszeug in die Hand: Seine originalen Vic Firth Red Tip Drumsticks, verpackt in einem schwarzen Vic Firth Stick Bag.

Ein Relikt, das die Zeit besiegt

Das Unglaubliche an dieser Geschichte? Diese Sticks liegen heute vor mir, und sie scheinen die Jahrzehnte ignoriert zu haben. Weder die Signatur noch die markanten roten Spitzen sind verblasst. Sie leuchten noch genauso kräftig wie an jenem Abend im Oktober 1984, als der Jack Daniels floss und Mötley Crüe Bremen in Schutt und Asche legten.




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