Bedingt gehört auch der Buena Vista Social Club in die Geschichte von WOM, wenn auch nicht mit großem Auftritt oder rückblickender Verklärung. Es war vielmehr einer jener stillen Momente, die erst im Nachhinein ihre Bedeutung offenbaren.
Während der MIDEM 1998 in Cannes trafen Wolfgang Orthmayr und ich Jenny Adlington von World Circuit zu einem Meeting. Abseits des Messetrubels zeigte sie uns beiden, tatsächlich ganz allein, erste Ausschnitte aus einem Film, der erst Mitte 1999 erscheinen sollte. Regie führte Wim Wenders. Zu diesem Zeitpunkt war kaum abzusehen, welche Wirkung dieses Projekt später entfalten würde.
Schon mit den ersten Takten von „Chan Chan“ spürte ich, dass hier etwas Besonderes entstand. Ich stieß Wolfgang an und sagte ihm, dass mich diese Musik unmittelbar berühre, dass sie bei mir Gänsehaut auslöse und dass ich mich diesem Thema unbedingt zentral widmen wolle. Für ihn war das in Ordnung, und so begann die Geschichte innerhalb von WOM ihren eigenen Weg zu nehmen.
Noch vor dem offiziellen Filmstart hielt sich das Album WOM-intern dauerhaft in unseren Top-5-Charts. Die exakten Media-Control-Zahlen habe ich heute nicht mehr präsent, doch eine Zahl ist mir bis heute im Gedächtnis geblieben: Allein unsere Hamburger Filiale erreichte zeitweise rund ein Prozent Marktanteil an den bundesweiten Abverkäufen. Das sprach weniger für Marketing als für eine außergewöhnlich musikinteressierte, nicht primär preisgetriebene Kundschaft, wie sie besonders in Hamburg zu finden war.
Alle WOM-Einrichtungsleiter wurden später nach Berlin eingeladen, um den Film gemeinsam zu sehen. Solche Momente schufen ein Gefühl gemeinsamer Entdeckung. Nach der Veröffentlichung wiederholte sich jedoch ein vertrautes Muster: Sobald ein Tonträger breite Popularität erreichte, geriet er preislich unter Druck, und wir waren im Wettbewerb oft schnell außen vor. Der Vertrieb lag damals bei TIS.
Wenn ich an diese Zeit zurückdenke, bleibt mir auch die MIDEM selbst in besonderer Erinnerung. Für mich war sie stets die ernsthaftere, konzentriertere Messe im Vergleich zur Popkomm, internationaler im Geist und ruhiger im Ton. Vielleicht waren genau deshalb Begegnungen möglich, die nicht laut begannen, aber lange nachwirkten.
