Es gibt diese Momente im Leben, in denen man nicht lange nachdenkt, sondern einfach handelt. Für mich war das im Sommer 1986. Ich arbeitete damals bei ZIP Schallplatten in der Kantstraße, ein Job, der mir zwar das tägliche Brot sicherte, aber weit entfernt war von dem, was ich mir eigentlich vorstellte. Es gab keinen schriftlichen Vertrag, keine echte Perspektive und vor allem keinen fairen Umgang. Als mich dann Mitte Juli 1986 jemand fragte, ob ich nicht für WOM arbeiten möchte, musste ich keine Sekunde überlegen. Auf die Frage, wann ich anfangen könnte, antwortete ich ganz selbstverständlich: morgen.
Es war fast schon zu einfach. Vielleicht auch zu gut, um wahr zu sein. Aber genau so fühlte es sich an. Thomas Schmunk sagte mir sogar, dass WOM mir einen Anwalt stellen würde, falls es Probleme mit meinem damaligen Arbeitgeber geben sollte. Allein das zeigte mir, dass hier etwas anders war. Dass es hier nicht nur um irgendeinen Job ging, sondern um eine Haltung.
Am nächsten Tag stand ich trotzdem noch einmal im Laden in der Kantstraße. Ich wusste genau, dass es mein letzter Tag sein würde. Ich arbeitete ganz normal weiter, wie immer, aber innerlich war ich längst weg. Ich war allein im Laden, bediente Kunden, legte Platten auf, kassierte und wartete im Grunde nur auf den Moment, an dem ich gehen konnte. Gegen 14 Uhr hatte ich schließlich die Summe zusammen, die mir zustand. 700 DM. Mein Lohn. Ich nahm das Geld aus der Kasse, schloss den Laden ab und wusste: Das war es jetzt wirklich.
Ich ging noch einmal zur Filiale am Ku’damm, direkt zu meinem Chef. Ein schwieriger Mensch, unfair, unberechenbar, jemand, der einem das Gefühl gab, jederzeit ersetzbar zu sein. Ich legte die Schlüssel vor ihm auf den Tisch, schaute ihm in die Augen und sagte nur: „Das war’s.“ Kein großes Drama, keine langen Erklärungen. Nur dieser eine Satz. Es war der Moment, von dem jeder träumt, der jemals schlecht behandelt wurde einfach aufstehen, gehen und die Tür hinter sich zumachen.
Und genau das habe ich getan.
Um 15 Uhr stand ich dann bei WOM. Neuer Laden, neue Menschen, neue Energie. Kein Zurück mehr, kein Zögern. Es fühlte sich nicht wie ein Risiko an, sondern wie ein Aufbruch. Als hätte ich genau im richtigen Moment die richtige Tür geöffnet und die falsche endgültig hinter mir geschlossen.