1990 stellte Bob Geldof in Hamburg im Docks Hamburg sein neues Album The Vegetarians of Love vor, und ich durfte dabei sein. Damals arbeitete ich als Disponentin bei WOM in Kiel, und solche Momente gehörten zu den besonderen Seiten dieses Berufs. Musik war für uns nie nur Ware im Regal. Sie war Begegnung, Erlebnis und manchmal auch ein kleines Abenteuer.
Schon beim Betreten des Clubs lag diese besondere Spannung in der Luft, die nur entsteht, wenn ein Künstler auftritt, dessen Musik viele Menschen über Jahre begleitet hat. Als Geldof schließlich auf die Bühne kam, war sofort klar, dass dieser Abend mehr werden würde als nur ein Konzert. Seine Präsenz, seine Stimme, diese Mischung aus Ernsthaftigkeit, Ironie und irischem Charme füllten den Raum.
Besonders beeindruckt hat mich der Song The Great Song of Indifference. Live klang er noch intensiver als auf dem Album. Man hatte das Gefühl, dass jedes Wort genau dort ankam, wo es hin sollte.
Nach dem Konzert ergab sich etwas, womit ich überhaupt nicht gerechnet hatte. In kleiner Runde durfte ich den Künstler persönlich treffen. Es war kein distanziertes Händeschütteln, sondern ein richtiges Gespräch. Wir fachsimpelten über das neue Album, über Songs und über Musik im Allgemeinen. Für einen Moment fühlte es sich an, als würde man sich ganz selbstverständlich über das austauschen, was uns alle verbindet.
Irgendwann fiel sogar der halb ernst gemeinte Gedanke, ihn vielleicht einmal nach Kiel zu holen, zu einem Konzert. Ob daraus jemals etwas geworden wäre, weiß ich nicht. Aber allein dieser Gedanke zeigte, wie nah sich Künstler und Musikmenschen in diesem Moment waren.
Für mich als WOM-Mitarbeiterin aus Kiel war dieser Abend etwas ganz Besonderes. Ein großartiges Konzert, eine unerwartete Begegnung und eine Erinnerung, die bis heute lebendig geblieben ist. 🎶
